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WAFER · Folge 16 · 12. Oktober 2026 · 36 Min

Software-Abos kündigen und selbst bauen? Ich hab's selbst getestet

Ich habe eine Angebots- und Auftragssoftware mit KI selbst gebaut. Was es kostet, wo die KI versagt hat und wann du besser nicht baust, erfährst du in dieser Folge.

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In dieser Folge

Pieter Levels, einer der bekanntesten Indie-Hacker im Netz, hat fast alle Software-Abos seiner Firma gekündigt. Und er sagt eine Kündigungswelle voraus, sobald alle merken, wie viel sie sparen können. Auf LinkedIn liest du es jeden Tag: Ich habe meine Software ersetzt.

Ich habe es auch gemacht. Unsere komplette Angebots- und Auftragsplattform, selbst gebaut mit KI. In dieser Folge bekommst du die ungeschönte Rechnung dazu — und am Ende meine Antwort auf die Frage, ob diese Welle wirklich kommt.

Hot News der Woche

  1. Mistral Large 4 (6. Oktober) — Europas bisher größtes Modell aus Paris. Im Intelligenz-Index von Artificial Analysis klettert es auf 38 Punkte, die US-Spitze liegt bei 58. Unter den offenen Modellen springt es von Platz 15 auf Platz 6. Europa holt auf, ist aber noch nicht vorne. Die Gewichte sollen Ende Oktober freigegeben werden, dann lässt sich das Modell auch selbst betreiben.
  2. Claude Haiku 5.5 (7. Oktober) — Anthropics kleines Modell kostet bei normal langen Anfragen 10 Cent pro Million Eingabe-Token, der Vorgänger lag bei einem Dollar. E-Mails sortieren, Belege auslesen, Anfragen vorsortieren: Das kostet praktisch nichts mehr. Aber billige Token heißen nicht billige Software.
  3. GPT-6 für alle (7. Oktober) — OpenAI rollt GPT-6 für alle ChatGPT-Nutzer aus, zusammen mit „Intelligent UI“. Antworten werden zu kleinen interaktiven Anwendungen mit Knöpfen, Formularen und Diagrammen. ChatGPT baut dir im Moment ein Werkzeug für die Aufgabe, die du gerade hast.

Der Deep Dive: Baut jetzt jeder seine Software selbst?

Der Ausgangspunkt. Angebote liefen bei uns über drei Schreibtische: Vertrieb, ich, Backoffice. Ein individuelles Angebot mit Leistungsbeschreibung hat 1,5 bis 2 Stunden gedauert. Dazu kamen Abos für unsere eigene Software — und für beides gab es kein Tool, das alles abdeckt. Ich habe mir vier Lösungen deutscher und US-Hersteller angeschaut. Es lief immer auf eine Kombination aus mehreren Tools hinaus, die trotzdem nicht passte.

Der Bau. Erst habe ich die Probleme in Szenarien beschrieben und abgegrenzt, dann die Plattform mit Claude Code gebaut. Geplant waren zwei Tage. Geworden sind es fünf Wochen, immer wieder parallel zum Tagesgeschäft. Über die API hätte der Token-Verbrauch rechnerisch rund 10.000 Dollar gekostet — bezahlt habe ich ein Abo zu einem Bruchteil davon. Und nach dem Livegang kamen in den ersten fünf Tagen 82 Änderungen.

Wo die KI nicht mitgedacht hat. Das komplette Angebotswesen stand, aber der Versand per E-Mail fehlte einfach. Die erste Oberfläche hatte Knöpfe am Bildschirmrand, und „Löschen“ löschte ohne Rückfrage. Für Details wie Spalten, Farben und Abläufe habe ich locker 20 Stunden gebraucht. Die Lehre: Du bestimmst, die KI baut — aber du musst technisch genug sein, um zu merken, dass etwas fehlt.

Der Lohn. Ein komplett individuelles Angebot dauert heute keine fünf Minuten mehr. Nach der Bestätigung durch den Kunden läuft die Prozesskette weiter, und das Cashflow-Cockpit hängt direkt daran: keine doppelte Pflege mehr zwischen mehreren Systemen.

Die unbequeme Frage: Wer betreibt das? Wer ein Software-Abo kündigt, kündigt auch den Service dahinter: Updates, Anpassungen an neue Betriebssysteme und Browser, jemanden, der merkt, wenn um sechs Uhr morgens eine Schnittstelle hängt. Bei internen Werkzeugen ist das dein eigener Schmerz. Bei allem, was Kunden betrifft, brauchst du jemanden, der das verantwortet.

Das Take-Home

KI hat das Bauen verdammt billig gemacht. Aber nicht das Besitzen.

Kommt die Kündigungswelle? Für einfache Werkzeuge wahrscheinlich ja — Rechner, Checklisten und kleine Helfer baust du dir heute mit ChatGPT, Claude oder offenen Modellen selbst. Für alles Anspruchsvolle, an dem Verträge, Steuern oder komplexe Kundenprozesse hängen, eher nicht. Was du siehst, ist nur die Spitze des Eisbergs. Der eigentliche Wert liegt darunter: Datenbanken, Code, Validierung.

Die Kunst ist nicht mehr das Bauen, sondern zu wissen, wann man besser nicht baut. Die fünf Fragen dafür findest du unten.

Erwähnt in dieser Folge

  • Pieter Levels – Indie-Hacker, hat fast alle Software-Abos seiner Firma gekündigt
  • Mistral Large 4 – neues Spitzenmodell des französischen KI-Labs Mistral
  • Claude Haiku 5.5 – kleines, günstiges Modell von Anthropic
  • GPT-6 und Intelligent UI – OpenAIs neues Modell in ChatGPT
  • Claude Code – Coding-Agent von Anthropic, mit dem die Plattform gebaut wurde
  • Folge 1 — Vibe Coding mit Claude – wie es mit den ersten kleinen Apps anfing
  • Folge 10 — Souveräne KI – wie du Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern reduzierst
  • Folge 11 — KI auf Pump – warum die Abos so günstig wirken und was das für deine Kalkulation heißt

Willst du einschätzen, ob sich Selbstbauen für dich lohnt?

Ich zeige dir aus der Praxis, wo eigene Software mit KI Sinn ergibt und wo du besser beim Standard bleibst. Schreib mir, wo du gerade stehst.

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